Meine Erkenntnisse des ersten Tages
#1: Die U-Bahn von Tokyo muss nicht immer voll sein.

Ganz im Gegenteil zu landläufigen Vorstellungen des kleinstädtischen Mitteleuropäers sind die Tokyoter U-Bahnen nur zu Stoßzeiten hoffnungslos überfüllt. Zu allen anderen Tageszeiten kann der Tourist auf den Sitzplätzen Seite an Seite mit einheimischen Anzugtägern die Äuglein schließen und es sich auf der Schulter des Nebenmannes gemütlich machen. Die japanische Etikette schreibt vor, dass dieses Ankuscheln des Nachbarn gekonnt ignoriert wird - da nicht auszuschließen ist, dass die Ohnmacht der Erschöpfung nicht auch mal einen selbst einholt.
#2: Uniqlo ist alles andere als cool

Die japanische Bekleidungskette gilt in unseren Breitengraden als der H&M Tokyos. Heiß erwarteten wir unseren ersten Besuch, um neben abgefahrenen Styles auch tolle Basics zu günstigen Preisen ergattern zu können. Doch schon nach wenigen Minuten im Store stellte sich eine große Ernüchterung ein: Uniqlo ist nicht mehr als eine Mischung zwischen C&A und American Apparel. Leider überwiegt der C&A-Teil… Überrascht hat uns dagegen H&M: Der Schwedische Billigheimer für die Masse tritt hier als exklusive Boutique auf - mit doppelt so hohen Preisen aber der gleichen Qualität. Na wenn es die Japaner überzeugt!?
# 3: Obst ist nicht gleich Obst

Japan ist eines der Länder mit dem geringsten Konsum an Früchten. Warum, wo der Inselstaat sowohl klimatisch als auch geografisch bestens ausgerüstet ist, um zum Paradies der Fructose-Fans zu werden? Obst ist in Japan ein Luxusgut. Man konsumiert es nicht, um sich mal eben im Gehen einen gesunden Snack reinzufedern. Nein, ein Apfel oder eine Orange werden - einzeln in Schonbezügen verpackt - für teures Geld nach Hause getragen, konzentriert geschält, geschnitten und schließlich mit Genuss verspreist. Trotzdem haute es uns fast von den Socken, dass man in Japan für Luxus-Melonen mehrere hunder Euro latzen kann. In exklusivem Ambiente werden die guten Stücke in Glasvitrinen aufbewahrt und in persönlichen Beratungsgesprächen an den Mann oder die Frau gebracht.
# 4: Lost in Translation im Supermarkt

Wer denkt, der Supermarkt ist der richtige Ort, um sich einige vertraute günstige Lebensmittel mit nach Hause zu nehmen, der liegt falsch: Denn in Japanischen Supermärkten liegt vieles herum, jedoch weniges, was man als Langnase wirklich zuordnen kann. Knollen, Saugnäpfe, eingelegte Gräser, seltsame Flüssigkeiten - völlig überfordert verließen wir den Ort des Geschehens mit einer Dose Kaffee wieder. Und sogar der schmeckte komplett anders.
# 5: Tokyo ist gar nicht so teuer

Das wohl wichtigste Learning des ersten Tages in Tokyo: Die Stadt ist finanziell absolut verkraftbar! Und das trotz historischem Höchststand des Yen, der uns schon zu Hause die Tränen in die Augen trieb. Denn ob man es glaubt oder nicht, wir konnten einen Tag lang in Tokyo mit 35 Euro pro Person leben, inklusive Unterkunft, Metro-Ticket, Essen und Trinken. Also hört auf euch zu zieren und kommt nach Japan! Es ist definitiv ein Land wie kein zweites.
Dennis
